Unser Magen

Wie funktioniert unser Magen und wozu brauchen wir ihn überhaupt?

Über die Nahrung nehmen wir lebenswichtige Nährstoffe auf, die uns im Rahmen des Verdauungsprozesses zur Verfügung gestellt werden. Alles, was wir nicht verwenden können, scheidet der Körper wieder aus.

Der gesamte Verdauungstrakt besteht aus einem weit verzweigten System, an dem mehrere Organe beteiligt sind, die durch einen Muskelschlauch vom Mund bis zum After miteinander verbunden sind. Gesteuert wird dieser komplexe Apparat vom sogenannten enterischen Nervensystem, das auch als Bauchhirn bezeichnet wird. Mit über 100 Millionen Nervenzellen hat es mehr Nervenzellen als die zentrale Datenautobahn unseres Körpers, das Rückenmark.

verdauungstrakt
  • Mund: Die Verdauung der Speisen beginnt bereits im Mund. Jeder Bissen wird von den Zähnen zerkleinert, mit Speichel vermischt und so für den Weitertransport in die Speiseröhre vorbereitet.
  • Speiseröhre: Ist der Nahrungsbrei gleitfähig genug, schlucken wir ihn hinunter. In kontrollierten Vorwärtsbewegungen befördert die kräftige Wandmuskulatur der Speiseröhre die vorverdaute Nahrung zum Magen. Schließmuskeln an beiden Enden verhindern normalerweise, dass die Nahrung den umgekehrten Weg nehmen kann.
  • Magen: Im Magen wird der Speisebrei mit Magensaft vermischt, der Enzyme und Salzsäure enthält. Letztere zersetzt das Essen und tötet Keime und Bakterien ab. Damit sich der Magen nicht selbst verdaut, ist die Magenwand zum Schutz vor der Salzsäure mit einer Schleimschicht ausgekleidet. Muskelbewegungen vermischen alles und schieben die Masse in kleinen Portionen zum Magenausgang.
  • Dünndarm: Die Verdauungssäfte aus Gallensystem und Bauchspeicheldrüse sorgen im Zwölffingerdarm, dem oberen Teil des Dünndarms, für die weitere Aufspaltung der Nahrung. Die Nährstoffe gelangen über die Dünndarmwand ins Blut.
  • Dickdarm: Den überwiegend unverdaulichen Resten entzieht der Dickdarm weiteres Wasser und Mineralstoffe, dickt die Speisereste ein und bereitet sie zur Ausscheidung vor.

Was passiert, wenn unser Magen rebelliert?

Solange Magen und Darm unter der Kontrolle des Bauchgehirns reibungslos arbeiten, ist alles in Ordnung. Aber wenn das exakt aufeinander abgestimmte Zusammenspiel aus dem Gleichgewicht gerät, kann sich das als Magen-Darm-Beschwerden äußern. Dieses komplexe und sehr sensible System reagiert nicht nur auf zu fettige, zu scharfe oder verdorbene Speisen, sondern auch auf Stress, Angst, Ärger und andere Emotionen. Man spricht nicht umsonst davon, dass uns etwas „auf den Magen schlägt“. Das bringt den Bewegungsablauf (Motilität) des Magens durcheinander, der darauf mit unterschiedlichen Beschwerden reagieren kann.

allescher

Prof. Dr. med. Hans-Dieter Allescher, Chefarzt am Zentrum Innere Medizin und Ärztlicher Direktor am Klinikum Garmisch-Partenkirchen:

„Es gibt mehrere Gründe, warum Stress auf den Magen schlagen kann. Zum einen bewirkt Stress eine Ausschüttung von Adrenalin und anderen Stresshormonen sowie eine Aktivierung des Sympatikus*. Dadurch ziehen sich insbesondere die Gefäße im Magen-Darm-Trakt zusammen. Das führt zu einer schlechteren Durchblutung der Magenschleimhaut, die dann nicht mehr so viel Schutz bieten kann. Zum anderen hemmen das Adrenalin und die anderen Stresshormone die Magenentleerung, was zu einem unangenehmen Völlegefühl führen kann. Stress und Stresshormone führen außerdem zu einer vermehrten Säureproduktion, die dann die Schleimhaut im Magen und im Dünndarm angreifen kann und damit Oberbauchsymptome verursacht.“

* Der Sympatikus ist ein Teil des vegetativen Nervensystems.

Auslöser von Magen-Darm-Beschwerden
  • Stress: Angst, Ärger, Hektik, Trauer und andere psychische Belastungen
  • Trinkgewohnheiten: zu kalte Getränke, verstärkter Alkoholkonsum
  • Essverhalten: unregelmäßiges, hektisches Essen, zu viele, fette oder unhygienische Speisen, scharfe oder ungewohnte Nahrung, Allergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Kreislaufbelastung: zu hohe Temperaturen, zu viel Sonne, ungewohnte Anstrengungen
  • Medikamente, Nikotin, Säure: zu viel Kaffee, Tee oder Nikotin, Zitrusfrüchte

Typische Magen-Darm-Beschwerden wie Magenschmerzen, Völlegefühl, Sodbrennen oder Übelkeit treten häufig in Kombination und ohne organische Grunderkrankung auf. In der Medizin unterscheidet man organische von funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen. Liegen den Symptomen keine organischen Veränderungen in Form von Entzündungen, Geschwüren, Tumoren oder anderen erkennbaren Schäden zugrunde, spricht man von einer funktionellen Störung. Diese ist in den meisten Fällen auf einen gestörten Bewegungsablauf (Motilität) der Magen-Darm-Muskeln zurückzuführen, das heißt, sie ist motilitätsbedingt. Bei dauerhaften Beschwerden sollten Sie bitte einen Arzt aufsuchen, um ernsthafte Erkrankungen auszuschließen.

Broschüre zum Thema

magen kl

Die Deutsche Seniorenliga hat in Kooperation mit der Steigerwald Arzneimittelwerk GmbH eine Informationsbroschüre zum Thema "Magenbeschwerden im Alter" herausgegeben.

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essen
Schon gewusst?

Obst und Gemüse bleiben bis zu zwei Stunden im Magen. Besonders schwer verdauliche Nahrung mit hohem Fettanteil bleibt etwa fünf Stunden im Magen.

alkohol
Schon gewusst?

Alkohol hemmt die Bewegung des Magens und die Aufnahme von Nährstoffen. Insofern ist es Unsinn, nach dem Essen einen Schnaps zu trinken. Die Kräuter in Magenbittern und -likören lindern lediglich das Völlegefühl. Stattdessen könnte man aber auch einen Kräutertee trinken.