Magenbeschwerden

Was steckt hinter Magenschmerzen?

Schmerzen im linken bis mittleren Oberbauch werden üblicherweise als Magenschmerzen bezeichnet. Nach dem Essen können sie als Folge einer zu fetten oder zu reichhaltigen Mahlzeit auftreten und sind in der Regel harmlos. Auch Blähungen können Magenschmerzen verursachen, ebenso wie Stress und bestimmte Medikamente.

Die häufigste Ursache von Magenschmerzen ist wie bereits beschrieben eine gestörte Magenmotilität. Dadurch wird der Speisebrei nicht ausreichend vermischt und verdaut oder bleibt zu lange im Magen liegen, weil er nicht schnell genug in den Darm transportiert werden kann. Als weiterer Grund für Magenschmerzen kommen überempfindliche Magennerven in Frage, die auf Reize wie die Magenbewegung, die Füllung des Magens oder die Säure übertrieben heftig reagieren und daher vom Betroffenen als Magenschmerzen wahrgenommen werden. Ein fehlerhafter Speisetransport durch eine erschlaffte oder verkrampfte Magenmuskulatur sowie eine Überproduktion von Säure, die die empfindliche Magenschleimhaut reizt, lässt die Schmerzrezeptoren ebenfalls Alarm schlagen.

Warum wird mir übel?

Jeder kennt dieses flaue Gefühl im Magen, wenn einem schwindelig ist, man zu wenig, zu viel oder falsch gegessen hat. Starkes Unwohlsein äußert sich in Form von Übelkeit bis hin zu Erbrechen. Biologisch gesehen macht Übelkeit durchaus Sinn, da sie eine Schutzfunktion des Körpers ist, der verdorbene Speisen oder gar Gifte durch Erbrechen so schnell wie möglich wieder loswerden möchte. Das gleichzeitige Auftreten von Übelkeit, Magenschmerzen und Durchfall deutet in der Regel auf eine Magen-Darm-Infektion hin, die durch Viren oder Bakterien ausgelöst wird.

koczian

Ulrich Koczian, Apotheker und Vizepräsident der Bayerischen Landesapothekerkammer:

„Kamillentee hilft eher nicht, wenn einem übel ist oder man schlecht gegessen hat. Magen-Darm-Erkrankungen haben nicht nur einen einzelnen auslösenden Faktor, sondern mehrere Faktoren. Deshalb ist in diesem Fall ein Arzneimittel, das nach dem Multi-Target-Prinzip funktioniert, sinnvoll. Es ist eine Mischung oder Kombination mehrerer pflanzlicher Arzneistoffe und greift an mehreren Stellen an. Der Vorteil eines Arzneimittels gegenüber einem Tee ist immer, dass ich ein standardisiertes, hochkonzentriertes Produkt mit der immer gleichen Konzentration einzelner Substanzen habe. Das kann ich mit einem Tee nicht erreichen.“

Geht Übelkeit mit Völlegefühl einher, kann die Ursache eine zu geringe Magenbewegung sein. Der Speisebrei wird zwar mit Verdauungssäften vermischt, der Weitertransport zum Darm erfolgt jedoch nur in sehr kleinen Portionen, so dass der Magen übervoll wirkt. Dieses unangenehme Gefühl stellt sich auch ein, wenn sich der obere Teil des Magens, in den der Speisebrei gelangt, zu wenig ausdehnt. Verläuft der Verdauungsprozess insgesamt sehr träge, verweilen die Nahrungsreste zu lange im Magen. Die Signale, dass etwas nicht in Ordnung ist, werden im Brechzentrum des Gehirns in Übelkeit umgewandelt.

Woher kommen Völlegefühl und Blähungen?

Wenn der Bauch grummelt, kann das an Stress, schweren und fetthaltigen Speisen oder blähenden Nahrungsmitteln wie Hülsenfrüchten, Vollkornbrot oder auch Kaffee liegen. Das unangenehme Gefühl kann aber auch durch träge Magenmuskeln verursacht werden. Häufig lassen sich die Symptome Völlegefühl und Blähungen nicht richtig unterscheiden, weil sich der gesamte Bauch voll und aufgeblasen anfühlt, selbst wenn man vorher nur eine kleine Portion gegessen hat.

Oberbauchbeschwerden

Überlappung zwischen Magenfunktionsstörung und Speiseröhrenentzündung

oberbauchbeschwerden

Patienten mit Sodbrennen haben meistens nicht zu viel Magensäure, sondern Magensäure am falschen Ort.

Wird der Speisebrei nicht zügig weitertransportiert, entstehen durch chemische Abbauprozesse Gase, die den Mageninhalt aufblähen. Der träge Magen kann sich oft nicht genug ausdehnen, um für das Gemisch aus Nahrungsbrei und Gasen Platz zu schaffen. Da der Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre überwiegend geschlossen bleibt, können die Gase nicht nach oben entweichen, sondern werden in den Darm weitergeleitet. Hier entstehen ein unangenehmes Völlegefühl und schmerzhafte Blähungen, die sich noch verstärken können, wenn gleichzeitig die Magennerven gereizt werden.

Wieso leide ich an Sodbrennen?

Fast jeder zweite Deutsche leidet dann und wann an Sodbrennen. Das saure Aufstoßen tritt auf, wenn Magensäure zurück in die Speiseröhre gelangt und dort die empfindlichen Schleimhäute reizt. Normalerweise verhindert ein ringförmiger Muskel (Sphinkter) am Mageneingang ein Zurückfließen des Mageninhalts in die Speiseröhre. Es gibt verschiedene Gründe, die dazu führen können, dass dieses Ventil nicht mehr richtig schließt. Dabei ist wichtig zu wissen: Sodbrennen ist nicht gleich Sodbrennen!

  • Sodbrennen als Folge einer Speiseröhrenentzündung:
    Beim Reflux mit Speiseröhrenentzündung (Refluxösophagitis) ist oft der Schließmuskel am unteren Ende der Speiseröhre defekt oder geschwächt, so dass der saure Speisebrei häufiger als normal aufsteigen und das unangenehme Brennen in der Speiseröhre verursachen kann. Starkes Übergewicht oder ein Zwerchfellbruch können den Verschlussmechanismus beeinträchtigen. In seltenen Fällen produziert der Magen so viel Säure, dass es aus diesem Grund zu Sodbrennen kommt.
  • Sodbrennen als Folge einer Magenfunktionsstörung:
    Bei einer Magenfunktionsstörung (Reizmagen, med.: funktionelle Dyspepsie) ist die Koordination der verschiedenen Magenfunktionen gestört. Das bedeutet, dass der Mageninhalt aus verschiedenen Gründen nur unzureichend verarbeitet und weitertransportiert werden kann. So entsteht Druck nach oben, der sich nicht nur in Sodbrennen, sondern auch in anderen Symptomen wie Magenschmerzen, Völlegefühl oder Übelkeit äußern kann.

Welche Ursache können Magen- und Darmkrämpfe haben?

Besonders schmerzlich sind Magenkrämpfe, die plötzlich und in kurzen Abständen hintereinander auftreten können. Meist dauern die starken, krampf- oder kolikartigen Schmerzen nur wenige Sekunden an, sie sind aber so schmerzhaft, dass der Betroffene das Gefühl hat, innerlich zerrissen zu werden. Neben harmlosen Ursachen wie einer leichten Magenverstimmung, Stress oder einem Magen-Darm-Infekt können auch Magengeschwüre, eine Bauchspeicheldrüsenentzündung oder eine Magenschleimhautentzündung für die Schmerzen verantwortlich sein.

Häufig entstehen Magen- und Darmkrämpfe jedoch wie auch viele der bisher vorgestellten Beschwerdebilder durch eine gestörte Bewegung der Magenmuskulatur. Wenn der Nahrungsbrei in den Magen gelangt, dehnt sich dieser nicht genügend aus, um Platz für die Speisereste zu schaffen. Die Magenmuskeln sind zu sehr verkrampft, die Muskelkontraktionen zur Durchmischung erfolgen unkoordiniert und ruckartig. Auch hier gilt: Wenn die Nahrung zu lange im Magen verweilt, werden die empfindlichen Nervenzellen im Magen gereizt, was der Betroffene als Schmerzen wahrnimmt.

Was hat es zu bedeuten, wenn mehrere Symptome zusammenkommen?

Kommen mehrere oder sogar alle der beschriebenen Symptome zusammen, lautet die Diagnose häufig „Reizmagen“ bzw. „Reizdarm“. Etwa 25 Prozent der Deutschen leiden an funktionellen Magenbeschwerden, Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die Häufigkeit der Beschwerden steigt mit zunehmendem Alter.

Nach internationaler Definition wird die Diagnose Reizmagen gestellt, wenn während eines sechsmonatigen Zeitraums mindestens zwölf Wochen lang Magenbeschwerden auftreten, ohne dass eindeutige organische Ursachen vorliegen.

Bis zur Diagnose ist es in den meisten Fällen ein weiter Weg, denn der Arzt kann den Reizmagen, die funktionelle Dyspepsie, nur feststellen, indem er organische Erkrankungen ausschließt. Den Ursachen liegen keine gesicherten Erkenntnisse zugrunde. Es gibt auch kein einheitliches Beschwerdebild – die Symptome sind vielfältig und oft diffus, bei manchen treten sie auf nüchternen Magen auf, bei anderen nach dem Essen. Meist sind eine gesteigerte oder verzögerte Magenmotorik und überempfindliche Magennerven, bedingt durch Nervosität, Stress oder Angst, für die Beschwerden verantwortlich.

Bitte sprechen Sie Ihren Arzt oder Apotheker immer darauf an, wenn Sie neben Sodbrennen noch an weiteren Magen-Darm-Beschwerden leiden, auch wenn Sie diese als weniger belastend empfinden. Nur so können Sie richtig behandelt werden, da die unterschiedlichen Krankheitsbilder eine unterschiedliche Behandlung erfordern.

Broschüre zum Thema

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Die Deutsche Seniorenliga hat in Kooperation mit der Steigerwald Arzneimittelwerk GmbH eine Informationsbroschüre zum Thema "Magenbeschwerden im Alter" herausgegeben.

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Schon gewusst?

Nicht der Magen, sondern das Brechzentrum im Gehirn entscheidet, wenn der Magen unverträgliche Nahrung wieder erbrechen soll. Während die Verdauung weitestgehend autark im Verdauungssystem verläuft, ist das Erbrechen ein Reflex, der vom Brechzentrum im Gehirn koordiniert wird: Luftröhre und Nasenraum müssen geschlossen werden, Dünndarm, Zwerchfell und Speiseröhre müssen den Mageninhalt wieder nach oben befördern.

sodbrennen
Schon gewusst?

Sodbrennen tritt häufig zusammen mit Völlegefühl, Magenschmerzen und Übelkeit und nur zu einem Drittel aller Fälle als einzelnes Symptom auf. Darum reichen Medikamente, die Magensäure binden, oftmals nicht aus, um die Beschwerden zu lindern.

Völlegefühl
Schon gewusst?

Sodbrennen kann nicht nur durch zu viel Säure, sondern durch Säure am falschen Ort entstehen. Denn anders als der Magen ist die Speiseröhre nicht gegen Säure geschützt.